|
Systematisch das Chaos besiegenWer dem Chaos den Kampf angesagt hat, braucht ein System. Ich weiß, dass systematisches Arbeiten für Messies schwierig ist, aber man kann sich im gewissen Grad dazu trainieren. Das System funktioniert in mehreren Schritten, wobei es allerdings wünschenswert ist, gleichzeitig an verschiedenen Schritten zu arbeiten. Wichtig ist es jedoch immer, sich nicht zu sehr zu drängen, Pausen einzuplanen, sich nicht zu überanstrengen. Ein Teil des Systems sind Gewohnheiten oder Routinen, die man während der gesamten Zeit eintrainiert. Chaos verkleinernUnser erstes Ziel ist es, Ordnung zu schaffen. Jetzt höre ich so manchen argumentieren: Also Unordnung ist ja nicht so schlimm, denn sauber ist es bei mir. Doch vor lauter Unordnung wird auch das Putzen immer schwerer. Und uns Messies fällt häufig das Putzen gar nicht so schwer, sondern eben, den Kram unter Kontrolle zu halten. Und wenn ich erst Stunden zum Aufräumen brauche, ehe ich wirklich putzen kann, dann wird der Berg immer größer, bis man zum Putzen irgendwann keine Zeit oder Energie mehr hat. Es ist auch wichtig, dass wir dieses erste Ziel, Ordnung zu machen, nicht vor lauter routinemäßigen Aufgaben vergessen. Bevor wir unsere Wohnung nicht einmal systematisch durchsortiert und entmüllt haben, alles seinen festen Platz bekommen hat, sind wir mit dieser Aufgabe nicht fertig. Wir sollten also bei allen Zeitplänen, die wir aufstellen (dazu das Thema Arbeiten mit Listen und Karteikästen und Gewohnheiten - folgt noch) immer genug Zeit für das systematische Ordnung schaffen einplanen. In der Anfangszeit wird dies sowieso erst mal die Hauptarbeit sein. Zunächst einmal sollten wir uns eine Stelle aussuchen, die wir vom Plunder befreien wollen. Das kann 1 Quadratmeter Fußboden sein, ein Regalfach, ein Tisch oder ein Teil von einem Tisch, eine Schublade oder sonst etwas sein. Was es ist, solltest du aus deiner Situation heraus entscheiden. Wo ist der Kram am hinderlichsten, kommt in absehbarer Zeit Besuch, so dass wenigstens ein Teil der Wohnung vorzeigbar sein muss? Wo hältst du dich am liebsten auf? Wo wäre Ordnung für dich ein Ansporn, weiter zu machen? Wo ist am meisten Kram, der keinen Platz hat? Nun überlegen wir uns einen Zeitraum, in dem wir arbeiten wollen. Das kann von 10 Minuten bis zu einer Stunde reichen, mehr sollte man nicht am Stück machen. Man sollte diese Zeit der gegenwärtigen Situation anpassen. (Wieviel Energie habe ich gerade, wie stark frustriert mich ein langweilige Beschäftigung wie aufräumen usw., sind wichtige Unterbrechungen zu erwarten wie Kinder, Telefonate) Danach darf man eine Pause machen, die so lang dauern darf (aber nicht muss), wie die Zeit, die gearbeitet wurde. Wir arbeiten nun auf diese Weise so lange an der einen Stelle, bis wir sie von allem Krempel befreit haben. Nun können wir dort noch putzen, aber das ist nicht so wichtig. Die Arbeit kann über mehr als einen Tag verteilt werden, aber es ist sinnvoller, sich kleinere Abschnitte vorzunehmen, damit man einen Erfolg sieht. Das hilft einem, sich auch an kleinen Fortschritten zu freuen, was wiederum Wunder für die Motivation tut. Beweise Beseitigen (BB)Jetzt kommen wir zu einer Strategie, die uns hilft, das schon Erreichte zu erhalten. Sie ist das Herzstück aller Bemühungen. Du kennst es sicher: Man räumt auf, weil Besuch kommt, man strengt sich so richtig an, die Panik oder auch der Ärger über sich selbst treibt einen bis zur Erschöpfung. Wenn dann der Besuch noch hinter einem liegt, ist man schlicht und einfach platt. Dann wird lange nichts getan, und nach ein paar Tagen ist, man weiß gar nicht wie, das alte Chaos wieder ausgebrochen. Ich glaube, das Konzept "Beweise Beseitigen" (kurz BB) kann für eine Messie eine große Bedeutung bekommen. Es geht genau darum - nämlich die Beweise zu beseitigen, dass in einem Bereich, den man schon aufgeräumt hat, etwas passiert ist. Wenn hinterher jemand diesen Bereich betritt, darf er keine Spuren mehr finden, die auf die "Tat" hinweisen. Beispiele: In der Küche habe ich mir ein Brot gemacht. Alles aus dem Kühlschrank geholt, Messerchen benutzt, Krümel auf der Anrichte verteilt etc. Beweise beseitigen heißt also: Messerchen in den Spül (evtl. in die Spülmaschine), Krümel wegwischen, Brot wieder wegtun, Margarine und Aufstrich in den Kühlschrank, Teller oder Brettchen nach dem Essen ebenfalls in den Spül/Spülmaschine. Noch besser: wenn man Messerchen und Brettchen gleich abspült (falls sie nicht in die Spülmaschine können). Oder: Ich habe gerade meine Wäsche zusammengelegt/gebügelt. Ich mache das auf dem Bügeltisch im mittlerweile fast vollständig aufgeräumten Wohnzimmer. Die gefaltete Wäsche liegt auf dem Esstisch, der auch im Wohnzimmer steht. Beweise beseitigen heißt: Wäschekorb wegräumen, wenn nötig Bügel auf den Speicher bringen (ich habe einen kostenlosen Trockner, nämlich den Wäschespeicher), alle Wäsche in die Schränke räumen (Kinder und Mann können ihre eigene Wäsche wegräumen), Bügeltisch zusammenfalten, in die Kammer räumen, Bügeleisen wegräumen, sobald es ausgekühlt ist, evtl. Boden fegen, wenn es viel Fusseln gegeben hat. Das hört sich unheimlich aufwendig an, wenn man es so beschreibt (alleine vom Schreiben bin ich schon ganz müde), aber es dauert jeweils nur wenige Minuten. Die Küche sieht wieder ordentlich aus, ins Wohnzimmer kann ich sofort wieder Besuch einladen. Lasse ich das BB weg, dann sieht die Küche nach drei solcher Aktionen aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, und im Wohnzimmer kann man kaum mehr treten, weil alles im Weg ist. Nach einer Woche ohne BB ist das Wohnzimmer nur noch nach einer mehrstündigen Aufräumaktion zu putzen, was mich natürlich vom Putzen ganz sicher abbringt. Habe ich aber immer die 2-5 Minuten investiert, so sieht es immer schön aus (friedlich), und die nächste Putzaktion dauert ebenfalls nicht lange, weil das Aufräumen wegfällt. RoutinenRoutinen sind Werkzeuge in unserem Alltag. Die Messies haben in Bezug auf Ordnung viele schlechte Angewohnheiten. Wichtig ist es, neue Gewohnheiten zu entwickeln, die unsere Probleme in den Griff bekommen. Die wichtigste Gewohnheit ist das regelmäßige Beweise Beseitigen (kurz BB). Diese wollen wir von Anfang an entwickeln. Zu Beginn hat man nur wenige "friedliche" Bereiche, an denen BB zum Einsatz kommt. Man sollte mindestens einmal pro Tag BB auf alle friedlichen Bereiche anwenden. Meist ist das selbst für größere Bereiche in 5-10 Minuten getan. Ich komme am besten klar, wenn ich das BB gleich morgens machen kann. Aber das ist natürlich je nach Zeitplan ganz unterschiedlich. Andere beseitigen Beweise, wenn sie von der Arbeit kommen, oder abends, bevor sie ins Bett gehen. Mit der Zeit dehnt sich der befriedete Bereich im Haus aus, und damit auch der Umfang des BB. Aber man sollte nicht mehr als eine Stunde brauchen, um einmal durch die Wohnung zu kommen. Braucht man mehr Zeit, hat man alles zu lange schlampen lassen. Gegebenenfalls muss man mehr als einmal am Tag BB machen. Zusätzlich zum BB sollte man sich noch eine kurze Liste von Erledigungen machen, die man täglich durchführen will, z. B. Wäsche waschen, Post durchsehen oder spülen. Nicht zu viele auf einmal, denn wenn man zu viele neue Gewohnheiten gleichzeitig einführt, kann es sein, dass man alle nach kurzer Zeit wieder aufgibt. Also ist es besser, einige wenige Gewohnheiten einzuführen (manche sagen 1 pro Monat), die sich dann aber auch festigen können. Man sagt, dass sich eine Gewohnheit gebildet hat, wenn wir etwas drei Wochen oder 21 Tage lang jeden Tag getan haben. Man kann natürlich nun nicht alle anfallenden Arbeiten jeden Tag tun. Aber wenn wir einen Bereich in unserem Chaos befriedet haben, und diesen 21 Tage lang durch BB auch chaosfrei gehalten haben, dann haben wir einen großen persönlichen Fortschritt gemacht. Belohne dich jetzt. Eine Frau, die sich vorgenommen hatte, ihr Bett jeden Tag zu machen, plante, sich mit neuer Bettwäsche zu belohnen, wenn sie drei Wochen lang ihr Bett jeden Tag machen würde. Eine andere gönnte sich ein Essen im Restaurant, weil sie ihr Bad einen Monat lang jeden Tag mit BB sauber gehalten hatte. Nimm die Selbstbelohnung ernst. Denke dir etwas aus, das wirklich eine Belohnung ist. Es braucht noch nicht einmal etwas matierielles sein, es kann auch einfach nur sein, eine Stunde allein zu verbringen. Ja, es stimmt, dass du dir schon allein dadurch etwas Gutes getan hast, dass du Ordnung schaffst. Doch ab und zu wird immer mal wieder der Gedanke aufkommen - wofür eigentlich. Es ist gut, wenn man sich dann schon im voraus eine Belohnung ausgedacht hat, auf die man sich freuen kann. Letzte Änderung: 01.10.2000 |