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Petra Taint
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Petra Taint: Visionen müssen leben
- ich habe noch viele davon. |
Über mich:
Prinzipienreiter - eine kurze Geschichte aus meinem Leben
Meinen Großvater habe ich sehr geliebt. Kurz nach meinem vierten Geburtstag starb er an den Spätfolgen seiner Kriegsgefangenschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt verband uns eine komplizenhafte Liebe, die sich in kleinen Alltagsritualen festigte, oft zum Missfallen von Mutter und Großmutter.
Eines dieser Rituale war der Samstagmittag: Das Einkaufen oblag meinem Großvater und so schnappte er mich gegen elf Uhr, packte mich vor sich auf seinen alten Motorroller, und unter Gebrumm und Gemecker meiner Großmutter ratterten wir vom Dorf in die kleine Stadt. Wenn der Großvater-Fuchs auf dem Markt - wie fast immer, dank seines Verhandlungsgeschicks - günstige Schnäppchen erstanden hatte, lächelte er zufrieden und verstaute seine Einkäufe sorgfältig in den Satteltaschen.
Was dann kam, war mindestens genauso schön wie das Bummeln über den kleinen Markt. Wir fuhren ins Wirtshaus. Dort trafen sich die alten Freunde jeden Samstag zum Biertrinken und Kartenspielen. Das Vergnügen meines Großvaters dauerte genau eine - genüsslich langsam getrunkene - Halbe lang. Denn die Großmutter wartete und duldete, nicht nur in dieser Beziehung, keine Unregelmäßigkeiten. Aber das Bier war gar nicht so wichtig. Viel wichtiger war das Gespräch mit den Freunden, das Lachen und natürlich die Bewunderung, die mir, seiner kleinen Enkeltochter, galt.
Was war das jedes Mal aufs Neue für ein Wirbel. Ich wurde hochgehoben, Sitzkissen wurden aufgetürmt, auf die ich ganz hinten, im Winter natürlich neben dem Ofen, auf die Bank gesetzt wurde. Dann wurde ich gefragt, was ich denn wolle und wäre die bodenständige Wirtin nicht gewesen, hätte ich sicher auch mein heißgeliebtes Afri-Cola bekommen. Dank ihr bekam ich dann aber eine koffeinfreie Bluna, und sie war es auch, die darauf achtete, dass mich die übereifrigen alten Herrn nicht zu sehr voll stopften.
Was gab es da für Herrlichkeiten! Bratwürste, Kartoffelsalat, Fisch, kalte Wurstplatten, und im Sommer natürlich Eis.
Doch an einem dieser wundervollen Samstage bekam ich ein Problem: mitten unter den netten alten Herrn, auf der Bank thronend, musste ich plötzlich ganz dringend aufs Klo. Verstohlen zupfte ich den Großvater am Ärmel und versuchte im zuzuflüstern, was ich von ihm wollte. Als er nicht hörte und verstand, kroch ich schließlich unter dem Tisch nach vorne und verschaffte mir durch lautes Fußstampfen Gehör. Als klar war, was ich wollte, brachte mich der Großvater schließlich nach draußen, was mich wunderte. Ich musste doch aufs Klo. Warum verließen wir dazu das Haus? Als er auf ein kleines Holzhäuschen, hinter dem Haus zeigte, wusste ich immer noch nicht so recht, was das Ganze sollte. Geduldig erklärte der Großvater mir dann, dass es hier eben ein anderes Klo gäbe als zu Hause. Er fragte mich, ob ich alleine zurecht käme und natürlich wollte ich mir nicht von ihm helfen lassen. Ich konnte doch schon sooo lange alleine aufs Klo gehen!
Und schon gar nicht sollte er auf mich warten. Also zeigte er noch einmal auf die Wirtshaustür und ermahnte mich, sofort wieder dort hineinzugehen, wenn ich fertig wäre.
Das Klo war eine herbe Überraschung. So etwas hatte ich noch nie gesehen! Es stank, und es war dreckig und ich ekelte mich. Ohne mein Geschäft zu verrichten verließ ich diesen grässlichen Ort und stapfte empört zurück zum Großvater. Kaum hatte ich die Tür zur Gaststube geöffnet, verkündete ich bereits im Brustton der Überzeugung:
"Auf so ein Hundeklo gehe ich nicht!"
Und so halte ich es noch immer.
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