Täglich
zwei Maß Bier und zwei Laib Brot waren das Honorar für den
Kupferstecher Michael Wening
(1645-1718)
Alois Renner
Viehhausen im Jahr 2006
Michael Wening schuf ein
riesiges Bilderbuch des barocken Bayern. Neben seinem
ästhetischen Wert für die Kulturge- schichte und Volkskunde
des Landes ist das Werk eine Fund- grube für Historiker. Am
18. April jährt sich Wenings Ge- burtstag zum 361.Mal. Als
der Zeichner und Kupferstecher im 73. Lebensjahr –
fast erblindet und bettelarm – starb, lag erst einer
der vier Bände seiner „Beschreibung des Churfürsten-
und Hertzogthums Ober- und Niedern Bayern“ vor. 1726
erscheint dann d. letzte Band durch seine Nachkommen. Die
„Historico-Topogrphica descripto“
umfasst 857
Kupferstiche
(einer davon Hofmark
Oberviehhauen Band IV Seite 33 Rentamt
Straubing 1726) der damaligen Rentämter München,
Burghausen, Lands-
hut und Straubing mit allen Städten, Märkten, Klöstern,
Graf- und Herrschaften, Schlössern, Probsteien und
Hofmarken des ganzen Landes.

Stich von“ Hochfreiherrlich Rosenbuschisches Schloß
und Hofmarch Ober und Nieder Viehausen“ von Wening
1726. Im Größenvergleich zwischen dem Herrschaftshaus und
den Häusern des Dorfes ist wohl erkennbar wer den Stich in
Auf- trag gegeben hat!
Am 11.Juli 1645 hatte der geniale Mann, der aus einer
Metz-ger- und Gastwirtsfamilie stammte, in der jetzigen
Frankenmetropole das Licht der Welt erblickt. Dort ging er
in die Kupferstecherlehre und schuf seine erst
Städteansichten, Porträts und Bibelbilder. Seit 1668
arbeitete er als Kupfer- stecher–ein Titel ohne
Mittel- in München.
In einem Brief schreibt Wening, der zu Lebzeiten mit Geld-
sorgen belastet war, über seine Situation: Am Ende seines
Lebens war er von „hoechster noth brodlos“ und
„schier hätt krepieren muessen“. Nach
50.jährigem Wirken in München starb Wening in der
kurfürstlichen Residenzstadt, wo er auch seine Werkstatt
hatte.
Als Wening-Expertin hat
die Historikerin Gertrud Stetter in mühevoller Archivarbeit
immer wieder Kupferstiche aus seiner Hand ans Tageslicht
gebracht. Buchillustrationen, Porträts, höfische
Darstellungen, Gebäude- und Städteansichten, hat Wening in
München neben Illustrationen für Andachtsbilder,
Wallfahrts- und Bruderschaftszettel, Gebetbücher und auch
Flugblätter geschaffen.
Er bekam im Hofdienst eine Anstellung als „Türhüter
auf der Ritterstuben“ mit 90 Gulden Jahresgehalt und
täglich zwei Maß Bier und zwei Laib Brot von der Hofkuchl.
Er hatte bei Fest- lichkeiten Portierdienst in Galauniform
zu leisten. Neben dieser Gelegenheitsarbeit übte er die
Kupferstecherei aus, zeichnete mit dem Stichel Stammbäume
von Adelsgeschlechtern in die Kupferplatten und fungierte
auch als Verleger.
1677/78 und später erscheint der kurbayerische Historien-
kalender, den Wening illustriert und mit einem Porträt des
bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria im Medaillon
versieht. Eine Allegorie stellt das Land Bayern dar. 1680
dann schildert er mit Erlaubnis des bayerischen Kurfürsten
Max Emanuel das Freudenfest und Feuerwerk zum
Regierungsantritt des Herr- schers in München in bewegten
Bildern.
In dramatisch gestalteten Schlachtenkupferstichen berichtet
er über den Feldzug Max Emanuels gegen die Türken von der
Belagerung Wiens im Jahr 1683 bis zur Eroberung Belgrads
1688. Seinen Plan einer großen Landesbeschreibung
unterbreitet er 1696 Max Emanuel und begann, mit einem
kurfürstlichen Patent, zum Vorzeigen versehen, von Dachau
aus unermüdlich mit seinen Reisen. Leider war es ihm
persönlich aber nicht mehr gegönnt die Früchte seines
Lebenswerkes zu ernten.
Quellen:
H. Kaltenegger, SZ
16.04.1993, Achiv A.Renner Viehhausen, Chronik Sinzing
von den Anfängen bis zur Gegenwart,von Mitautor Dieter
Schwaiger 2005.