Hausnamen - Entstehung, Bedeutung,
und ihre Eigenschaften dargestellt am
Beispiel Viehhausen


Alois Renner, Viehhausen, Oktober 2007

Allgemeines zu Hausnamen

Noch in den späteren fünfziger Jahren zu meiner Kinderzeit waren in Viehhausen Hausnamen geläufiger als Familiennamen. Manche Familien wurden nur mit dem Hausnamen gerufen, so dass, um den richtigen Namen zu erfahren, nicht selten die Aufklärung der Eltern nötig war. Heute ist das seltener der Fall. Daraus ersieht man, das ist unbestritten, dass die Hausnamen mehr und mehr am Verschwinden sind. Sie werden nicht mehr so
häufig gebraucht wie früher, und wenn, dann ausschließlich von älteren oder bekennenden Viehhausenern. Das lässt sich jedenfalls im Dorf feststellen.
Die seltene Verwendung der Hausnamen in der heutigen Zeit
hat wohl unterschiedliche Ursachen. Tatsache ist: Je mehr der Ort sich vergrößert, je mehr er an Bewohnern zunimmt, desto rückläufiger ist der Gebrauch.

Nun war es auch in früherer Zeit so, dass Hausnamen erloschen sind, aber sie wurden wieder durch neue ersetzt. Wenn das heute nicht mehr geschieht, so hängt dies mit der örtlichen Bevölkerungsstruktur zusammen, die sich vor allem seit Ende des Zweiten Weltkrieges gewandelt hat.
Kamen vordem nur wenige Neubürger, bei denen es sich hauptsächlich um Einzelpersonen, die einheirateten, handelte, so hat man es mit dem Zuzug, wohl auch nicht freiwillig, von Familien zu tun, die als Flüchtlinge aus Schlesien und dem Sudetenland nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Viehhausen kamen.
Man denke dabei nur an das Flüchtlingslager in Alling, das um 1946 500 Bewohner hatte, die Zug um Zug auf umliegende Orte verteilt wurden.

Die Eingeheirateten übernahmen in der Regel den Hausnamen, der auf dem Haus gebräuchlich war, das sie bezogen. Kaum bekannt sind „Zuazonge“, die ihren eigenen Hausnamen mitbrachten, das ließen die eher konservativen Viehhauser wohl nicht zu. Den ansässigen Vertriebenen war der Begriff Hausname in ihrer früheren Heimat wohl bekannt und gebräuchlich, durchsetzen wollten sie ihr „Mitbringsl“ aber auch nicht.
Zudem musste der alte Ortskern, auf dem sich in der Regel die noch gebräuchlichen Hausnamen beschränken in der jüngeren Vergangenheit einen Schwund hinnehmen.

Verschiedene Hausnamen sind beim Tod ihrer Träger erloschen
und haben sich nicht mehr auf die jüngere Generation oder auf Neubürger, die das Anwesen übernommen haben, übertragen können (Kouz!).
Ein weiterer, nicht unwesentlicher Grund für den seltenen Gebrauch ist, dass man sich ihrer ein wenig schämt; man will das Dörfliche, Unzeitgemäße, eventuell Schlechte, das ihnen vermeintlich anhaftet, loswerden. Da kommt es schon vor, dass Eingeheiratete mit bösen Blicken reagieren, wenn sie mit dem Hausnamen angesprochen werden.
Oft fehlt den Trägern ein Bezug zu Namen. Diese Denkart ist auf die Unkenntnis der Herkunft zurückzuführen. Geht man nämlich dieser Herkunft nach, so wird man feststellen, dass sich häufig familiengeschichtliche Zusammenhänge erschließen oder dass sie zuminderst verständlicher werden, etwa wie Verwandtschaftsverhältnisse über Generationen hinweg zustande kamen, auf welchen Häusern die Vorfahren ansässig waren.
Das sind zweifelsohne Gesichtspunkte, die Hausnamen in ein anderes Licht rücken und zeigen, dass die Verschämtheit mancher Träger unbegründet ist, ja im Gegenteil, dass Hausnamen mit einem gewissen „Stolz“ getragen werden dürfen, zeugen sie doch meist von einer langen und traditionsreichen Familiengeschichte.

So trägt die Familie Georg Pritschet ihren Hausnamen Zodl bestimmt mit Absicht in den Anfangsbuchstaben des Kennzeichen ihres Mittelklassewagens und die musikalische Familie gastiert bei vielen Gelegenheiten mit der „Zodl Blos`n“ in der ganzen Umgebung von Viehhausen.

Hausnamen werden in der Regel mündlich gebraucht und überliefern sich mündlich. Gleichwohl gibt es schriftliche Zeugnisse davon. Neben einzelnen Überlieferngen aus dem 16.Jahrhundert in der Chronik von Benefiziant Albert Bernhardt, findet man eine fast lückenlose Auflistung in einem Häuser- und Rustikalsteuerkatasterbuch Seite 254 und 255 des Amtsgericht Kelheim von 1835 bis 1840. Damals wurden genaue Verzeichnisse über den Haus- und Grundbesitz angelegt, um die Steuern entsprechend festsetzen zu können. Bei den 61 Hausnummern von Viehhausen stand zuerst der Hausname und dann der Name des Besitzer eingetragen. Zum Beispiel stand unter der Hausnummer19 der Hausname Landler und als Besitzer Andreas Seitz. Dies waren die Vorgänger unseres heutigen Anwesen in der Rosenbuschstraße 17.

Grundlage für die Erforschung von Hausnamen ist die Kenntnis
der jeweiligen Hausgeschichte d.h. im Idealfall die lückenlose
Reihenfolge der auf den einzelnen Häusern ansässig gewesenen Familien, des Handwerks oder Gewerbes, das hier einmal ausgeübt wurde, und das Wissen um sonstige Sachverhalte, die zur Klärung der Herkunft dienlich sind. Bauernhöfe gehören mit zu den Häusern, bei denen die Hausnamen kaum wechselten, zumindest aber über einen sehr langen Zeitraum, oft Jahrhunderte, bestanden oder noch bestehen. Die entsprechenden Unterlagen findet man in Familienstammbäumen, Archiven, und Taufregistern der Kirchenverwaltungen.
Doch das soll nicht verschwiegen werden, für eine Reihe von Hausnamen findet man keine Aufschlüsse mehr über die Herkunft. Hier fehlt offensichtlich jegliche Überlieferung, die mancher so gerne hätte, aber leider nicht mehr zu lokalisieren ist.

Eigenschaften der Hausnamen


Hausnamen gewährleisten speziell in Viehhausen die Unterscheidung von Familien, die den gleichen Familiennamen führen. So werden die verschiedenen „Schwindl“ Familien kenntlich gemacht bzw. unterschieden durch die Hausnamen:

Kamo = Ottos bzw. Christian Schwindl, Schulstraße

Ritzinger = Anton Schwindl, Jurastraße

Wirt = Johann Schwindl, Jurastraße

Feicht = Josef bzw.Thomas Schwindl, Ivostraße

Schneidasimma = Anton Schwindl Ivostraße

Wenn im Dorf die Frage aufsteht, welcher „Schwindl“ betroffen ist, erinnert man sich wieder an die Hausnamen und man weiß sofort wer gemeint ist.

Gewisse Hausnamen lassen auch Familien unterscheiden, die im gleichen Handwerkszweig tätig waren. So gab es in im letzten Jahrhundert im Ort drei Schmieden:

Schmiedbale = Wolfgang Gruber, Rosenbuschstraße

Jagaschmied = Anton Brünsteiner Kirchplatz, früher Jägerhaus der Schloßherren

Rennaschmied = Alois Renner, Rosenbuschstraße ab 1929, vorher Schmiede im benachbarten Anwesen Sebastian Brünsteiner
(Hausname
Schmiewastl)

Einige Hausnamenentwicklungen und Zusammensetzungen

Hausnamen, die sich von einem Beruf oder einer Tätigkeit ableiten:

Wagner Hans = Johann Weber, Jurastraße
Schouster Toni = Anton Mös, Brunnenstraße
Bäcker Alois = Alois Jobst, Jurastraße
Kirchabäck = Franz Jobst, Kirchplatz
Boda Otto = Otto Griesmann, Rosenbuschstraße Großvater und Vater waren Bader und Frisör
Boda Schorsch = Georg Stark, Ivostraße
Hewanger = Johann Plank Rosenbuschstraße, Ehefrau war Geburtenhelferin
Postbot Heiner = Heinrich Schmid, Jurastraße
Draxler = Ferdinand Schmid, Ivostraße

Zu den aufgeführten Hausnamen gibt es natürlich noch eine Menge mehr, die noch genau ermittelt werden.

Humoreske „Der wehe Finger“ aus Viehhausen

Nachfolgend „Der wehe Finger“ eine Humoreske des Burschenvereins Viehhausen erstmals vorgetragen bei einer Veranstaltung von Hans und Max Krois um 1928. Diese Verse mit den Hausnamen interpretierten später die Dorfbewohner in unterschiedlicher Weise.

Der Wullasimma hot an weha Finger:
sagt da Schneidasimma, der wird mei ledda nimma,
sagt da Feicht, des is ma gleich,
sagt da Dofferl, we lou man a ogaofferln,
sagt da Behm,i hon`na scho lang gseng,
sagt da Keila, den leng ma aufi aufs Talla,
sagt da Schouster, da hauma trauf dann bousta,
sagt da Zodl, stegn ai en Odl,
sagt da Hackl, mei so a Spektakel,
sagt da Renna,den vabrenn ma,
sagt da Hiasn, strah`ma draf an Grias,
sagt da Müllabauer, wia lan man a oschaua,
sagt da Knahl, geh ma zum Dokta Bnal,
sagt da Kouz, geh ma zum Dokta Bouz,
sagt da Leichtlkaichl, bindn ei ins Daichl,
sagt da Falk, bist Du a Dalk,
sagt da Kamo, hau ma drauf min Hamma,
sagt da Sterz, is des a Schmerz,
sagt da Wirt, der is scho lang vadirbt.
sagt da ........................

Einige wissen noch weitere Verse ………

Quellen: Ottilie Oel Laaber, Karl Köglmeier, Heinz Hartkopf, Otto Schwindl sen., alle Viehhausen, u.a. Karl Menner, Lupburg (allgemeines Konzept)