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Elitenüberproduktion
deskriptiv vs. normativ
Prinzip vs. Prozess
KI funktioniert zu gut
Propaganda
Sanktionen
Are we the baddies?
Löhne, Inflation, Währungsunion
Außenhandelsbilanz
Imperium
Elitenüberproduktion
Die rechten Alternativmedien waren sehr gut darin, die linke Gefahr an die Wand zu malen. Im Nachhinein stellt sich raus: Elon Musks "DOGE" hat der Forschung und Lehre in den USA stärker geschadet als es Wokeismus und Critical Race Theory jemals geschafft hätten. Die Linksgrüne Weltverschwörung enttäuscht.
Elitenüberproduktion ist eine nachgewiesene Alterskrankheit von Zivilisationen. Inkl. des sprunghaften Wachstums der Manager- und Funktionärsklasse (auf allen Seiten). Inkl. des Mißbrauchs von Anliegen (legitim oder konstruiert) für's Schaffen von Posten und Titeln (auf allen Seiten). Inkl. der Ausbildung verfeindeter Seiten. Inkl. der Illusion, das Problem bestünde nur auf der anderen Seite.
Ich finde, die Redewendung "2 Seiten derselben Medaille" könnte wieder mehr in Mode kommen.
Peter Turchin beschreibt, wie immer stärkere Ausbeutung der Arbeiter dazu führt, daß ein immer größerer Anteil der Menschen lieber Elitenanwärter statt Arbeiter werden wollen.
Schönes Beispiel: Die "Agenda 2010"-Politiker haben den Jobcenter-Plan von McKinsey umgesetzt; und damit plangemäß eine Verdopplung der Erwerbsarmut erzielt. Um anschließend Kritik zu kontern mit: "Was habt ihr denn? Studiert doch einfach Alle - Problem gelöst." Bildung als Lösung war jahrelang Diskursmode unter den Höflingen der Macht.
Weiteres Beispiel: David Graebers "Bullshit Jobs"-Konzept. Z.B. Pflege: Die einzelne Pflegekraft ist mit immer mehr Verwaltungsfachkräften konfrontiert; und hat dementspr. immer weniger Zeit für die Patienten. Die grafische Korrelation zwischen Absinken der Produktivität und Explosion des Verwaltungs-Wasserkopfs ist beeindruckend. (Medizinische Berufe sind ein besonders gutes Messinstrument, denn normalerweise verändert sich in diesem Bereich die Produktivität nicht, da Automatisierung unerwünscht ist.)
(Link: https://media.ccc.de/v/36c3-11241-from_managerial_feudalism_to_the_revolt_of_the_caring_classes)
deskriptiv vs. normativ
Theorie und Wirklichkeit widersprechen sich gerne mal. Dieser Widerspruch lässt sich in 2 entgegengesetzte Richtungen auflösen:
- deskriptiv (beschreibend): Die Theorie soll sich an die Wirklichkeit anpassen. Erkenntnis-Richtung. Wissenschaftlich.
- normativ: Die Wirklichkeit soll sich an die Theorie anpassen. Macht-Richtung. Antiwissenschaftlich.
Witzige Beobachtung: Wenn du normativ unterwegs bist, hältst du dich dabei immer für besonders wissenschaftlich.
Prinzip vs. Prozess
- Prozess: Wenn du Wasser von einem Glas in ein anderes umfüllst, hört dieser Vorgang irgendwann auf und hat einen Endzustand erreicht.
- Prinzip: Egal wieviel Wasser von oben nach unten geflossen ist — die Gravitation hört trotzdem nicht auf.
Nun würde Niemand die Gravitation mit einem Prozess verwechseln. Aber die Wissenschaft und die Evolutionslehre werden z.B. ständig mit einem Prozess verwechselt. ("Die Wissenschaft hat immer Recht." / "Wir sind der Gipfel der Evolution.")
Dieser Denkfehler erklärt die meisten Massenmorde des letzen Jahrhunderts.
KI funktioniert zu gut
Der Bismarcksche Schul-Gedanke hat sich weltweit verbreitet. Daß Menschen Soldaten und Arbeiter sind ist ein Zustand, der hergestellt werden muss. Mittels Konformitätsdruck wird Verhalten geformt; dann bastelt das Gehirn die entspr. Rationalisierungen und Identität.
Das Gehirn nimmt den gegebenen Zustand als natürlich an, um eine positive Identität zu bauen. Deswegen sind wir überrascht wenn ein neues System zunächst mal eigene Interessen verfolgt. Uns ist nicht bewusst daß der Zustand erst noch hergestellt werden muss, in dem das System fremden Interessen (einem größeren System) dient.
Darf man Werbung "Propaganda" nennen?
Wenn das mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stimmt, dann ist das natürlich erlaubt. Und außerdem etymologisch korrekt. ( https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Bernays)
Sanktionen
Bei der Agenda 2010 sind Viele auf die Propaganda reingefallen. ("Wir tun den Fleißigen einen Gefallen indem wir die Faulen von den Fleißigen trennen.")
In Wirklichkeit war die Ausweitung des Niedriglohnsektors das Ziel. Viele von Denen, die der Propaganda ürsprünglich geglaubt haben, mussten erfahren daß sie selbst mit "die Faulen" gemeint waren. Nämlich wenn sie sich weigern wollten, schlechtere Bezahlung und Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Wie gesagt: Die Ausweitung des Niedriglohnsektors war das eigentliche Ziel.
Es geht nicht um die Qualität der Arbeit. Billigwettbewerb ist immer der Feind von Qualitäts- und Innovationswettbewerb. Es geht nicht um die Wenigen die tatsächlich sanktioniert wurden. Es geht nicht darum, wieviele der Sanktionierten tatsächlich "Faulenzer" sind.
Es geht um die Vielen bei denen es fruchtet daß die Wenigen bestraft werden. Um die Diziplinierung der Masse. Die Negativ-Schlagzeilen bezüglich der Grundgesetz- und Menschenrechtswidrigkeit einiger Sanktionsaspekte haben dabei sogar mitgeholfen.
Bei den Russland-Sanktionen wird das gleiche Prinzip angewendet. Es geht nicht darum, ob der ehemalige Schweizer Oberst tatsächlich ein Agent Putins ist oder lediglich legitime Kritik geäußert hat. Es geht einzig um "Bestrafe Einen - erziehe Tausende.".
Are we the baddies?
Wenn ich den Westen kritisiere, wird mir mitunter eine pro-russische Haltung unterstellt. Zu Unrecht, möchte ich meinen.
Der nüchterne Befund lautet: Es gibt keine Guten. Alle haben Leichen im Keller, Alle sind unmoralisch.
Daraus lassen sich 2 engegengesetzte Schlußfolgerungen ziehen:
- Wir sollten erst recht rund um die Uhr schreien und mit dem Finger auf die Leichen im Keller des Gegners zeigen. Damit das Publikum keine Aufmerksamkeit übrig hat um in den eigenen Keller zu gucken.
- Wenn sowieso Alle unmoralisch sind, sollten wir nicht hetzerisch über Moral reden sondern diplomatisch über Interessen reden.
Wer über Moral redet will Krieg — wer über Interessen redet will Frieden.
Je mehr Sorgen und Nöte produziert wurden, desto höher ist bekanntlich der Drogenkonsum. Für's Gehirn ist ein Feindbild so gut wie jede andere Droge. ( https://www.youtube.com/watch?v=rynDGf9TZKQ - The Science Of Revenge, with James Kimmel)
Diplomatie bedeutet natürlich nicht, Expansionsinteressen schönzureden. Sondern Dinge auseinanderklamüsern. Klar abstecken, was akzeptabel ist und was nicht. Je vertrackter die Lage, desto wichtiger ist Diplomatie. Aus Sicht der sog. "Pufferstaaten" ist die Unterscheidung zwischen russischen Sicherheits- und Expansionsinteressen oft schwierig. Aber gerade wir Deutschen sollten idealerweise wissen, daß wir auch mit daran Schuld sind daß unsere Nachbarschaft so ein Clusterf*ck ist.
Löhne, Inflation, Währungsunion
Beim Aufsetzen der EWU hat Deutschland ein Inflationsziel von knapp 2% durchgesetzt. Die Inflation hängt mit den Löhnen zusammen. Um das Inflationsziel zu erreichen, müssen die Mitgliedsstaaten ihre Löhne um Produktivitätswachstum+Inflationsziel wachsen lassen.
mehr Produktivität = Ein Arbeiter erwirtschaftet pro Stunde mehr Ertrag. In unterschiedlichen Bereichen einer Volkswirtschaft ist das Produktivitätswachstum unterschiedlich hoch. Und in unterschiedlichen Volkswirtschaften ist das Produktivitätswachstum unterschiedlich hoch. In der Krankenpflege z.B. ist Produktivitätswachstum unerwünscht, weil Automatisierung und Fließbandbetrieb unerwünscht ist.
Also 3 Möglichkeiten: mein Land ist:
- überhalb des Inflationsziels (zuviel Lohnwachstum, z.B. Griechenland): Der Euro wird für meine Wirtschaft zu teuer; meine Produkte werden in der Welt teurer; die Exporte gehen zurück
- innerhalb des Inflationsziels (alles richtig gemacht. z.B. Frankreich)
- unterhalb des Inflationsziels (zuwenig Lohnwachstum, z.B. Deutschland): Der Euro wird für meine Wirtschaft zu billg; meine Produkte werden in der Welt immer billiger; ich nehme anderen Euro-Staaten Marktanteile weg. Außerdem verändert sich im eigenen Land der Verteilungsschlüssel wenn die Lohnentwicklung hinter der Produktivitätsentwicklung zurückbleibt: Die Kapitaleinkommen bekommen einen größeren BIP-Anteil, die Lohnquote sinkt.
Obwohl technisch gesehen Frankreich richtig liegt, bildet sich Deutschland ein richtig zu liegen. Denn der Moralismus sagt: Wenn zu hohe Inflation schlecht ist, dann muss zu niedrige Inflation gut sein. Also muss ärmer werden und Gürtel enger schnallen gut sein. (Im Jenseits gibt's dann nen goldenen Kugelschreiber.)
Also: Deutschland exportiert Arbeitslosigkeit und bestraft Frankreich dafür, sich an die deutschen Vorgaben gehalten zu haben. Mangels eigener Währung kann sich Frankreich nicht dagegen wehren.
Damit eine Währungsunion nicht sofort auseinanderfliegt, sind Ausgleichzahlungen nötig. Diese Ausgleichszahlungen sind nur ein unzureichender "Schadensersatz" für das destruktive deutsche Verhalten. Aber die moralische Empörung über diese Zahlungen reicht in Deutschland für die Gründung einer erfolgreichen Partei. (Das Versagen der Regierung in anderen Bereichen trägt natürlich auch zum Erfolg der Opposition bei.)
Außenhandelsbilanz
Alle Außenhandelsbilanzen der Welt ergeben in Summe immer Null. Weil der Welthandel ein geschlossenes System ist. (Kein Handel mit außerirdischen Planeten.) Und weil ich nicht etwas für 5€ kaufen kann ohne daß Jemand etwas für 5€ verkauft. (Erstaunlicherweise können solche Binsen nie oft genug gesagt werden.)
Also:
- Permanenter Außenhandelsüberschuß: Der Rest der Welt gerät immer tiefer in die Schulden
- Permanentes Außenhandelsdefizit: Mein Land gerät immer tiefer in die Schulden
Vernünftigerweise sollte meine Regierung also eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz anstreben. Falls Jemand auf Autoritätsargumente steht: Zufällig steht das auch so im Grundgesetz. Nämlich im Wirtschaftsstabilitätsgesetz.
Problem: Niemand traut sich, von den Reichen Steuern statt Kredite zu nehmen. Also ist es auf Dauer unmöglich, das Wirtschaftsstabilitätsgesetz einzuhalten ohne das Schuldenbremsegesetz zu verletzen (oder umgekehrt). (Investitionen sind ein Instrument zum Ankurbeln der Importentwicklung.)
Problem2: Deutschland will überhaupt keine ausgeglichene Außenhandelsbilanz. Denn der Moralismus besagt: Wenn es eine Sünde ist Schulden zu machen, dann ist es eine Tugend Andere in die Schulden zu treiben. Ein weiterer Grund ist, daß einzelwirtschaftliche Logik (z.B. BWL) populärer ist als gesamtwirtschaftliche Logik. (Wenn du nur einen Hammer hast, wird Alles zum (Daumen-)Nagel.)
Deswegen hat die Regierung mit der Agenda 2010 die Erwerbsarmut verdoppelt und die Importentwicklung gedämpft, um einen permanenten Außenhandelsüberschuß zu produzieren und Arbeitslosigkeit zu exportieren.
Anders ausgedrückt: Wir machen uns ärmer und verschenken Güter und Dienstleistungen, um im Gegenzug Zahlen im Computer (Forderungen) zu hamstern. Im Vertrauen darauf, daß andere Regierungen und internationale Autoritäten ebenfalls sklavisch an die Zahlen im Computer glauben, so daß Deutschland Macht über andere Länder gewinnt. (Um dann z.B. den Griechen die Rente und die Gesundheitsversorgung zu streichen.)
Das ähnelt strukturell einem Abnutzungskrieg: Das eigene Land macht sich ärmer, um einem anderen Land ebenfalls zu schaden. ("Wettlauf nach unten") Der Spieler mit der überlegenen Ausgangsposition "gewinnt".
Genau genommen verlieren beide Spieler, denn sie werden beide ärmer. Der Spielleiter (die besitzende Klasse) ist gut im Verstecken. Könnte auch sein daß ein anderer Block an Macht gewinnt wenn wir Europäer uns mal wieder gegenseitig plattmachen.
Imperium
| Links | Rechts |
Imperium Ja oder Nein? | Nein Antiimperialismus: Alle Länder sollen gleichberechtigt sein. | Ja Der Mensch braucht nen Anführer. Aber wir sollten das Imperium sein, nicht die Amis. |
angepasste Variante: Dem Imperium dienen ist besser für die Karriere | leugnen Wir sind kein Imperium. Wir sind doch die Guten. | verteidigen Ne halbe Million Kinder getötet? Das war's wert! Wir bringen schließlich die guten Westwerte. (https://www.youtube.com/watch?v=KP1OAD9jSaI) |
(Beispiele für Metriken zur Imperiumsbestimmung:
- Übt ein Land besonders viel kulturellen Einfluss aus?
- Hat ein Land besonders viele Militärstützpunkte?
- Ist die Welt von einer Währung abhängig, so daß sich ein Land permanente Importüberschüsse (Tributforderungen) leisten kann?
- Führt ein Land besonders viele Kriege?
- …)
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