14. Dezember: Stroh
Unter einem Tuch auf einem Teller liegt
Stroh, ein Floh, eine Katze. Wir tasten erst was wir fühlen
und tauschen uns darüber aus. Wer braucht Stroh? Für
was?
Ochs und Esel lieben das Stroh auch. Wir holen sie dazu.
Wir hören die Unterhaltung der Tiere:
Ochse: Es ist
kalt draußen. Da ist es am schönsten, im warmen
Stroh zu liegen.
Katze: Wenn es nur nicht so pieksen würde! Es ist
eben doch
ein Arme-Leute-Bett.
Floh: Für mich ist es gut genug. Hier werde ich
nicht verjagt, sondern gewärmt.
Ochse: Ja, das Stroh hat die Sonnenstrahlen und die Erdenkraft
gespeichert. Ich freue mich darüber.
Katze: Unsinn! Der Bauer hat es fortgeworfen. Die Körner
sind kostbar. Daraus backen die Menschen Brot. Der Halm ist
nur der Abfall.
Floh: Für mich aber nicht. Mir geht es hier gut.Ich
fühle mich wohl. Wir drei wohnen hier. Ihr seid meine Freunde.
Hier, im Stroh, bin ich daheim.
Katze: Aber was wird dann letzlich aus dem Stroh?
Ochse: Rede nicht so abfällig. Aus manchem Mist ist
Gutes gewachsen. Denke nur an die Wiesen und Felder, an die
vielen Gärten.
Katze: Es dient als Dünger für die Pflanzen.
Es hat die Körner getragen, der Sonne entgegengehalten.
Es wird als Untelage für Tiere verwendet. Es muß immer
nur dienen. Das ist keine erstrebenswerte Laufbahn.
Ochse: Die Körner konnten reifen. Die Erde erhält
neue Lebenskraft. Wir sind geborgen im Stroh. Ich finde das
ist allerhand!
Floh: Außerdem ist es nicht eingebildet. Es läßt
Ochse, Katze, Menschen bei sich wohnen. Es macht keinen Unterschied
und wärmt jeden gleich. Es hat sogar mich aufgenommen, obwohl
ich nicht überall ein gern gesehener Gast bin. Und seht nur,
wieviel Platz hier noch ist!
Katze: Eigentlich habt ihr recht. Ich habe heute früh
schon den Mann und die Frau in der Stadt gesehen. Sie waren
auf Herbergsuche und ich sah, daß ihr Kind bald zur Welt
kommen wird. Sie wurden überall abgewiesen. Jetzt bin
ich froh, daß sie bei uns Unterschlupf gefunden haben. Wird
es nicht schön, wenn das Kind hier zur Welt kommen wird.
Ochse: Ich werde ganz sachte atmen und das Kind zusammen
mit den Stroh wärmen.
Floh: Ich werde dem Kind hübsche Geschichten in
sein Ohr flüstern und es manchmal mit meinem Gekitzel
zum Lachen bringen.
Katze: Ich werde ganz leise schnurren und es in den Schlaf
singen.
Wir legen das Stroh und die Tiere in den
Stall.