Netzwerken unter FreeDOS - Geschichte des Netzwerkens unter DOS

Warum MS DOS ohne Netzwerk kam

  Der IBM Personal Computer (PC) wurde am zwoelften August 1981 als Antwort
  auf den Apple II, der den IBM-Markt mit Bueroesoftware wie VisiCalc und
  WordStar herausforderte, auf dem Markt eingefuehrt. Das Betriebssystem
  (OS = operating system) fuer den PC musste in einer extrem kurzen Zeit
  erstellt werden, nachdem Digital Research (DR) die Gelegenheit vergeben
  hatte, ihr "Control Program fuer Micros" (CP/M) an IBM zu lizensieren.
  Die junge Softwarefirma Microsoft, urspruenglich nur dazu gegruendet, um
  Sprachinterpreter und Compiler wie BASIC und Fortran zu erstellen, sprang
  ein. Microsoft versprach, einen OS Prototyp, der mit CP/M vergleichbar
  war, in nur drei Monaten zu liefern. Sie kauften Seattle Computer's
  "Quick and Dirty OS (QDOS = schnelles und schmutziges OS) und passten es
  an, um IBM's Erwartungen zufriedenzustellen. Die Version 1.0 des
  "Microsoft Disk Operating System" (MS DOS, von IBM auch verkauft als
  "PC DOS") hatte 4.000 Zeilen Befehlscode. Netzwerken wurde nicht
  unterstuetzt und andere Aufgaben waren viel wichtiger: Das erste DOS
  konnte nicht einmal Festplatten unterstuetzen. Microsoft arbeitete auch
  schwer an den Anwendungen, die die Ecksteine ihres Erfolgs werden
  sollten: "Multiplan"/"Excel" und "Word".
  Netzwerk Vorzuege scheinen auf den Nachfolger von DOS, OS/2 verschoben
  worden zu sein, das offiziell von Microsoft und IBM 1985 angekuendigt
  (und 1987 herausgebracht) wurde. In der Zwischenzeit lieferte Microsoft
  XENIX, eine UNIX Variante, die fuer den IBM PC seit 1983 erhaeltlich war.
  Das liess anderen ein Zeitfenster. Es gab zwei Herangehensweisen an das
  Netzwerken unter DOS, die man die
  "PC zentrierte" und die "UNIX zentrierte" Herangehensweise nennen kann
  (http://www.sju.edu/~jhodgson/netw/kw_hwk4.html).
    * Die "PC zentrierte" Herangehensweise bedeutet einen Weg, um eine
      Gruppe von PCs zu einem Netzwerk zusammenzufuegen, um Dateien und
      Ressourcen (z.B. Hardware wie Drucker) zu teilen.
    * Die "UNIX zentrierte" Herangehensweise bedeutet, DOS-Versionen der
      Standard UNIX Netzwerk-Programme zu entwickeln, um sie dazu zu ver-
      wenden, um auf UNIX-aehnliche Dienste im LAN oder im Internet zu-
      greifen oder sie liefern zu koennen (was, im Endergebnis auch zum
      Teilen von Dateien und Ressourcen fuehrt).

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"PC centric" Herangehensweise

  Novell NetWare
  1985 brachte Novell, ein frueherer Hardwarehersteller von CP/M Systemen,
  sein Produkt "Netware 86" (V 1.5) fuer den PC heraus. Eine Version fuer
  den AT folgte mit "NetWare 286" (V 2.0) im Jahr 1986.
  Novell Netzwerke liefen nach dem Client/Server Modell:
  Clients (= Kunden) die unter MS DOS und speicherresidenter (TSR) Novell
  Software liefen, waren in der Lage, sich bei einem Server, der mit
  "Novell Netware Server" lief, "einzuloggen". Dieser Server war eine
  Maschine, die nur dazu da war, das Netzwerk zu managen und den Zugang
  zu gemeinsam genutzen Geraeten wie z.B. Festplatten und Druckern zu
  managen.
  Wenn sie einmal verbunden waren, konnten die Clients ein Volume (einen
  bestimmten Bereich auf dem Server) auf einen Laufwerksbuchstaben unter
  DOS "mappen" und dann wie eine lokale Festplatte verwenden. Sie konnten
  auch mit dem Server verbundene Drucker verwenden.
  Client und Server kommunizierten ueber das Novell "Internetwork Packet
  Exchange/Sequenced Packet Exchange" (IPX/SPX) Protokoll
  (http://sourceforge.net/apps/mediawiki/freedos/index.php?title=IPX-SPX).
  Die Treiberarchitektur wurde "Open Datalink Interface (ODI) genannt.
  NetWare errichtete bis zur Mitte der 90er Jahre eine dominante Markt-
  position.

  LAN MANAGER

  Bild des LAN Managers
  (Bild des LAN Managers)

  Im Jahr 1983 entwickelten IBM und die kalifornische Firma Sytek Inc.
  (1989 von Hughes gekauft, siehe: http://www.hughes.com/) unabhaengig
  von Novell das Netzwerkprotokoll NetBIOS.
  Es war gedacht fuer kleinere LAN-Installationen mit 72 bis 80 Geraeten.
  1985 vertrieb IBM einen Emulator von NetBIOS, genannt NetBEUI (NetBIOS
  Extended User Interface = NetBIOS erweitertes Benutzerinterface), das
  bis zu 260 Geraete unterstuetzte.
  1985 fuehrte Microsoft seine eigene Implementation von NetBIOS ein,
  das sich MS-Net nannte. Es wurde nicht sehr stark verwendet. 1987 ver-
  oeffentlichte die Firma den "Microsoft LAN Manager" 1.0 - ihren ersten
  ernsthaften Konkurrenten zu Novell Netware.
  Genau wie Novell Netware enthielt Microsoft's LAN Manager eine
  Client/Server Architektur:
    *  Der Server lief auf OS/2 als Betriebssystem und der LAN Manager
       als Server Software.
    *  Der Client lief unter DOS, OS/2 oder Macintosh als Betriebssystem
       und verwendete eine Client Software wie "LAN Manager Client" oder
       "MS Client" als Verbindung mit dem Server.
  Mit dem "Server Message Block" (SMB) Protokoll, das seit 1991 in den
  LAN Manager integriert wurde, waren die Microsoft Netzwerke in der
  Lage, auch peer-to-peer-Netzwerken durchzufuehren. Dieses wurde unter
  Windows fuer Workgroups 3.11, welches 1993 veroeffentlich wurde,
  verwendet. Der Mechanismus ist Windowsbenutzern bekannt als "Windows
  Share", "Netzwerkumgebung" oder "Arbeitsgruppe".

  Bild von Workgroup Add-on fuer MS-DOS
  (Bild von Workgroup Add-on fuer MS-DOS)

  Im Oktober 1993 veroeffentlichte Microsoft ein Tool namens "Microsoft
  Workgroup Add-on fuer MS-DOS, das es ermoeglichte, die gleichen peer-
  zu-peer Netzwerkmoeglichkeiten unter DOS zu haben.
  Waehrend das Tool selbst nicht mehr verkauft wird, ist der groesste Teil
  seiner Funktionalitaet immer noch durch die Verwendung des "MS Client"
  und ein spezielles Update namens "WG1049" verfuegbar (vgl.: MS Client).
  Microsofts Netzwerksoftware kam mit einem eigenen Netzwerktreibermodell
  genannt "Network Driver Interface Specification" (NDIS), das die Firma
  zusammen mit 3Com entwickelt hatte.
  Der LAN Manager konnte seinen Mitbewerber Novell Netware nicht schlagen.
  Neben dem Nachteil, der zweite am Markt gewesen zu sein, mag ein weiterer
  Grund dafuer gewesen sein, dass man das OS/2 Betriebssystem auf dem
  Server installieren musste. OS/2 war unter den Kunden unbeliebt. Seit
  1993 wurde deshalb auf der Serverseite der "Microsoft Windows NT Ad-
  vanced Server (Version 3.1)" verwendet. Im August 1995 setzte die Ein-
  fuehrung (und sehr gute Annahme) von "Windows 95" den DOS Netzwerkakti-
  vitaeten ein Ende. Diese Windowsversion hatte bereits einen eingebauten
  TCP/IP Stack und verfuegte auch ueber SMB peer-to-peer Netzwerkfaehig-
  keiten - dadurch wurden viele Drittanbieterloesungen ueberfluessig.

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"Unix centric" Herangehensweise

  Die ersten Versuche, um TCP/IP auf dem PC zum Laufen zu bekommen,be-
  gannen kurz nachdem IBM es eingefuehrt hatte. Die ersten Leute, die
  daran arbeiteten, waren Dave Clark, Jerry Saltzer und der Studienan-
  faenger John Romkey (http://www.romkey.com/) am Laboratorium fuer
  Computerwissenschaften des Massachusetts Institute of Technology (MIT).
  1981 starteten sie ein Forschungsprojekt mit dem Zweck "zu sehen, ob
  TCP/IP auf so etwas kleinem wie einem IBM PC laufen wuerde", wie Romkey
  sich erinnert (http://www.drizzle.com/~aboba/internaut/pc-ip.html).

  PC-IP (PC/IP)

  Das Ergebnis wurde "PC-IP" genannt, eine kleine TCP/IP Implementierung,
  die in einige Anwendungen wie finger, whois und netwatch eingebunden
  wurde. PC-IP wurde mit Quellcode als Public Domain veroeffentlicht.
  Drew Perkins von der Carnegie Mellon University (CMU) und Dan Lanciani
  von der Harvard University verbesserten den Code weiter. PC-IP kann
  man immer noch im Internet finden, z.B. unter:
  (http://members.aol.com/Karima4483/pcip/) oder 
  (ftp://ftp.kuzbass.ru/pub/networks/tcpip/tool/pcip.zip).

  PC-TCP (PC/TCP)

  Icons von PC/TCP Anwendungen
  (Icons von PC/TCP Anwendungen)

  Der Erfolg von PC-IP inspirierte Romkey und einige Freunde, die CMU-
  Version des Codes zu nehmen und sie zu einem urheberrechtlich ge-
  schuetzten Produkt weiterzuentwickeln: "PC/TCP", das sie unter ihrer
  Firma "FTP Software, Inc.", die 1986 gegruendet wurde, vertrieben
  (http://en.wikipedia.org/wiki/FTP_Software).
  Der Name wurde nach dem bekannten "File Transfer Protocol" gewaehlt:
  PC/TCP beinhaltete eine der ersten Anwendungen fuer FTP Dienste auf
  dem PC.

  Pakettreiber (Packet Drivers)

  Zusammen mit PC/TCP entwickelte die FTP Software Inc. die "Pakettreiber-
  spezifikation", (http://www.crynwr.com/packet_driver.html), die
  erste Mehrfachprotokoll-Treiber Spezifikation fuer PC Netzwerk-
  Schnittstellen-Karten. Am 12. Dezember 1988 wurde diese Spezifikation
  als offener Standard, den jeder implementieren konnte, veroeffentlicht.
  Pakettreiber erwiesen sich gleichermassen fuer Hardwareanbieter und
  fuer Softwareentwickler als nuetzlich. Die meisten der Public Domain-
  oder Shareware TCP/IP Anwendungen wurden nur so geschrieben, dass sie
  mit Pakettreibern zusammenarbeiten konnten.
  Viele Pakettreiber wurden von Russ Nelson an der Clarkson University
  geschrieben oder verwaltet, der als der "Pakettreiberkoenig" bekannt
  wurde - eine Geschichte, die er auf seiner Webseite schildert
  (http://russnelson.com/bio.html). Nelson vertreibt diese Treiber
  immer noch als Freie Software ueber die Seite seiner Firma namens
  "Crynwr" (http://www.crynwr.com/), das nach dem walisischen Wort
  fuer "Quaker" (Quaeker), seinem Glauben, benannt ist). Hier erfahren
  Sie mehr ueber Crynwr.
  Ein Grund fuer den Erfolg von FTP's Software PC/TCP war die offene
  Pakettreiberschnittstelle, die es leicht machte, Treiber und Anwen-
  dungen zu entwickeln.
  Als andere Treiberschnittstellen wie ODI und NDIS auf der Szene er-
  schienen, fuegte PC/TCP Konverter hinzu: Mit einem Tool namens
  ODIPKT.COM ODI Treiber als Pakettreiber verwendbar, ein Tool
  namens DIS_PKT.GUP erledigte das Gleiche fuer NDIS Treiber.
  PC/TCP kam auch mit einem externen TCP/IP Kernel namens ETHDRV.EXE,
  der es anderen Programmierern erlaubte, Netzwerkfunktionen in ihren
  Anwendungen aufzurufen, ohne sie selbst zu programmieren. All diese
  Features und eine Sammlung von Anwendungen, die es DOS Computern er-
  laubte, auf TCP/IP-Dienste wie News, Email, ftp, Telnet oder Netz-
  werkspeicherung zuzugreifen oder zu liefern (PC/TCP enthielt sogar
  einen NFS Client namens InterDrive), machte FTP Software Inc. zum
  Marktfuehrer fuer DOS TCP/IP Software. 
  PC/TCP wurde weltweit auf ueber 10 Millionen DOS-Maschinen installiert.
  Mitte der neunziger Jahre hatte FTP Software Inc. mehr als 700 Ange-
  stellte (mehr Informationen hierzu unter: http://www.answers.com/
  topic/ftp-software?cat=biz-fin).

  Software von Universitaeten und Hobbyprogrammierern

  PC-IP und ihr Erfolgsmodell PC/TCP moegen die ersten oder erfolg-
  reichsten TCP/IP Kernel fuer DOS gewesen sein, aber sie waren nicht
  die einzigen.

  KA9Q

  Das zweite nach dem fruehen PC-IP Kernel war das "KA9Q Netzwerk-
  Betriebs-system" (NOS, vgl.: http://www.ka9q.net/code/ka9qnos/) von
  Phil Karn im Jahr 1985. Karn, ein Ingenieur aus Baltimore, Maryland,
  hatte es zwei Jahre zuvor fuer CP/M programmiert und dann nach DOS
  portiert. Es war auch eine der ersten TCP/IP Anwendungen fuer DOS, die
  die Pakettreiberspezifikation von FTP Software verwendete. KA9Q
  arbeitete gleichzeitig als Internet Client, Server und IP-Pakete-
  Router. Das Programm war auf auf das Amateurpaketradio spezialisiert,
  konnte aber z.B. auch als FTP- oder Webserver verwendet werden. KA9Q
  zog viele Mitwirkende an. Wie Karn beschreibt: "Es war das Linux
  seiner Zeit" (http://www.ka9q.net/code/ka9qnos/).
  Im Jahr 2002 wurde KA9Q Freie Software (GNU GPL). Seine Ableger, JNOS
  (http://www.langelaar.net/projects/jnos2/) und EZ-NOS2
  (http://eznos.knevel.info/index.php) (siehe auch
  http://www.hippy.freeserve.co.uk/eznos.htm und
  http://www.dossolutions.pwp.blueyonder.co.uk/eznos.htm)
  werden immer noch aktiv gepflegt.

  NCSA Telnet

  Basierend auf der Pakettreiberspezifikation schrieben mehrere Universi-
  taeten TCP/IP Anwendungen und Tools fuer DOS PCs. 1986 veroeffentlichte
  das "National Center for Supercomputing Applications" (NCSA) an der
  Universitaet von Illinois "Telnet" (siehe: ftp://ftp.uu.net/.vol/1/
  applic/NCSA_Telnet/PC/tel2308b.zip) - einen Client fuer UNIX
  Telnet Dienste, der sowohl als FTP- und rcp Server arbeiten konnte. 
  Die Software wurde bis 1995 entwickelt (Version 1.308) und mit dem
  Quellcode in die Public Domain ftp://ftp.uu.net/.vol/1/applic/NCSA_
  Telnet/PC/tel2308s.zip) entlassen.

  CUTCP

  Die Clarkson Universitaet in Potsdam, New York, nahm die Version 2.2
  von NCSA Telnet und modifizierte sie. Sie nannten ihre Version
  CUTE oder CUTCP.
  Letztendlich uebernahm die Rutgers Universitaet in New Jersey die
  weitere Pflege und veroeffentlichte die letzte Version im Juli 1993
  (ftp://ftp.cc.umanitoba.ca/software/pc_network/cutcp-b.zip).
  Anders als NCSA Telnet unterstuetzte CUTCP die IBM-3270 Emulation
  und wurde technisch verbessert. Sie wurde auch Public Domain.

   Andere

  Bild von MINUET Version 1.0 Beta 18A
  (Bild von MINUET Version 1.0 Beta 18A)

  Andere Entwicklungen an Universitaeten, die erwaehnt werden sollten,
  sind "Kermit" (http://www.columbia.edu/kermit/), eine Terminalemulation
  fuer DOS, die an der Columbia University in New York geschrieben wurde
  und das "Minnesota InterNet Users Essential Tool" "MINUET" (siehe:
  http://www.fdisk.com/doslynx/minuet/) der Universitaet von
  Minnesota, eine pakettreiberbasierte Suite von TCP/IP Anwendungen.
  MINUET bot eine mausunterstuetzte grafische Schnittstelle, die Client-
  anwendungen wie Email, Gopher, Telnet, Usenet News, einen Web-
  browser und FTP integrierte. MINUET ist ein gutes Beispiel fuer das
  unglueckliche Design von DOS-Softwarelizenzierungen dieser Zeit. Im
  Gegensatz zu der GNU General Public License (GPL), die in der GNU/Linux-
  welt zum Standard wurde, waren Lizenzen fuer DOS-Software, die an
  Universitaeten und von Hobbyprogrammierern erstellt war, meistens
  selbstgestrickt. Die MINUET Lizenz konnte z.B. von der Belegschaft und
  den Studenten der Fakultaet der Universitaet von Minnesota frei verwen-
  det werden. Alle anderen sollten nach 15 Tagen Versuchszeit 50 $ zahlen.
  Der Vertrieb war nur fuer nichtkommerzielle Zwecke zulaessig.
  Auch wenn diese Sharewarelizenzen vor fuenfzehn Jahren funktioniert
  haben moegen, so sind sie heute eher ein Todesurteil fuer die Software:
  Die Software wird nicht mehr verkauft oder offiziell vertrieben. Auch
  wenn Sie noch jemanden finden, an den Sie die Sharewaregebuehr von 50 $
  zahlen koennen, ist es unwahrscheinlich, dass er Ihnen irgendwelchen
  Support oder Updates zur Verfuegung stellt. Deshalb duerften die Kosten
  das uebersteigen, was die Software heute wert ist, nachdem ihr Markt
  verschwand und der urspruengliche Entwickler das Interesse daran verlor.
  Noch wichtiger: Ohne Quellcode ist sie fuer andere Programmierer wert-
  los - dadurch wird die Entwicklung aufgrund der Lizenz eingestellt.
  Und jeden "kommerziellen Vertrieb" zu verbieten hat den Effekt, dass
  die Orte, wo man z.B. MINUET finden kann, staendig wechseln, unzuver-
  laessig sind und nur rein zufaellig aufzufinden sind.
  Dank einiger Entwickler ist einige wesentliche Netzwerk-Software fuer
  DOS zusammen mit ihrem korrespondierenden Quellcode Public Domain oder
  Freie Software. Dies ermoeglicht es Anwendern und Entwicklern gleicher-
  massen, immer noch TCP/IP-Anwendungen fuer DOS zu schreiben und zu ver-
  wenden. Diese wichtigen Softwareteile beinhalten:
    * Freie Versionen von Pakettreiber-Konvertern fuer die heute mehr
      ueblicheren ODI und NDIS Treiber: ODIPKT.COM, geschrieben von
      Dan Lanciani (Harvard University) ermoeglicht es, ODI-Treiber als
      Pakettreiber zu verwenden, DIS_PKT9.DOS von Prof. Joe R. Doupnik
      (Utah State University) und Dan Lanciani macht das Gleiche mit
      NDIS-Treibern.
    * "WatTCP", eine beliebter freie TCP/IP Kernel Bibliothek (Library),
      die 1990 - 1992 von Erick Engelke von der Canadian Waterloo Univer-
      sitaet geschrieben wurde und sein Nachfolger, Watt-32 von Gisle
      Vanem (Norwegen). Diese Bibliotheken ermoeglichen es Programmierern,
      TCP/IP Funktionen in ihre Anwendungen einzubauen, ohne das Rad neu
      erfinden zu muessen.
    * "Trumpet TCP Treiber (NTCPDRV)" aus dem Jahr 1992, ein freier
      externer TCP/IP Kernel, der von dem australischen Programmierer
      Peter Tattam geschaffen wurde (auch wegen seines Trumpet Winsock
      bekannt). Wir werden noch etwas spaeter in diesem Dokument mehr
      ueber diese Software erfahren.
 
  Urheberrechtlich geschuetzte Software

  Unterhalb von FTP Software Inc.'s PC/TCP konnte man vor 10 oder 15
  Jahren eine Menge anderer kommerzieller Anwendungen auf dem Markt der
  DOS TCP/IP Netzwerk-Software finden.
  Bis zu 30 TCP/IP Pakete fuer DOS waren Mitte der 90er Jahre erhaelt-
  lich (siehe: ftp://ftp.cac.psu.edu/pub/dos/info/tcpip.packages),
  inklusive IBMs "TCP/IP fuer DOS", NetManage "Chameleon", Sun "PC-NFS",
  Novell "LAN WorkPlace", Frontier Technologies "SuperTCP" oder Artisoft
  "LANtastic" - ein Netzwerksystem, das in der ersten Haelfte der 90er
  fast genauso beliebt war wie der Marktfuehrer der Zeit, Novell.
  Einen Vergleich ihrer Features finden Sie hier (http://img.cmpnet.com/
  nc/820/graphics/tcpip.pdf). Lesen Sie doch auch den korrespondieren-
  den Artikel im Netzwerk Computing Magazin (http://www.networkcomputing
  .com/820/820buyers.html). 

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Das DOS-Netzwerkende

  Wir muessen bedenken, dass sich diese ganze Entwicklung der TCP/IP
  Software fuer DOS in einer relativ kurzen Zeitperiode abspielte. Der
  IBM PC hatte bei seiner Vorstellung im Jahr 1981 keinerlei Netzwerk-
  faehigkeiten. Jeder, der damals mit UNIX-Maschinen arbeitete, betrach-
  tete den PC als Spielzeug. Aber das Netzwerken wurde eine ernsthafte
  Option, als der staerkere PC AT (i286) 1984 herausgebracht wurde und
  im Jahr 1986, als Compaq den ersten PC mit einem i386 Prozessor heraus-
  brachte. Dieses Zeitfenster der Moeglichkeiten begann sich mit der Ein-
  fuehrung von Windows NT im Jahre 1993 zu schliessen und wurde im August
  1995 mit Windows 95, das bereits einen eigenen eingebauten TCP/IP Kernel
  inklusive Point-to-Point Protokoll (PPP), einem Einwaehlprogramm und
  SMB peer-to-peer Netzwerk hatte, endgueltig geschlossen. Das war ein
  Schicksalsschlag fuer die kommerzielle Netzwerksoftware, inklusive
  Novell Netware.
  FTP Software Inc. wurde 1998 vom frueheren Mitbewerber NetManage zu
  einem Preis uebernommen, der nur geringfuegig ueber dem Geldbetrag auf
  FTP Software's Bankkonto war (siehe: http://www.apocalypse.org/pub/
  ftp-alumni/archives/ftp-alumni.9806). Heute gibt es die Firma nicht
  mehr. Im Jahr 2007 existiert kein Markt fuer DOS Netzwerksoftware mehr.
  Die meisten kommerziellen Loesungen sind ueberhaupt nicht mehr erhaelt-
  lich. Ihre Hersteller wechselten den Besitzer oder die Maerkte hoerten
  einfach auf zu existieren. Und diejenigen, die vor 10 Jahren an der
  "UNIX zentrierten" Herangehensweise arbeiteten, kann man heute viel-
  leicht bei der Arbeit an GNU/Linux Loesungen finden.
  Erfahren Sie mehr ueber die Geschichte des TCP/IP Netzwerkens auf DOS
  Computern in Steven Baker's Artikel "Net Worth - Desktop TCP/IP At
  Middle Age" (http://web.archive.org/web/20070314043508/http://www.ece
  .ubc.ca/~gillies/9802net.html). 

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Was bleibt

  Netzwerken unter DOS im 21sten Jahrhundert bedeutet hauptsaechlich, das
  zu verwenden, was von der Aera des DOS Netzwerkens von der Mitte der
  80er Jahre bis zur Mitte der 90er Jahre uebrig geblieben ist. Einige
  Novell und Microsoft Tools koennen immer noch legal heruntergeladen
  und verwendet werden. Und TCP/IP Loesungen von Universitaeten und
  Hobbyprogrammierern, die als Public Domain, als Shareware und sogar
  als Postcardware veroeffentlich wurden, gibt es immer noch, obwohl die
  meisten davon nicht mehr an den urspruenglichen Stellen gefunden werden
  koennen.
  Aber es ist mehr als das. Ein paar Projekte sind immer noch am Leben:
  Der grafische DOS Browser Arachne wird wieder aktiv von einer Gruppe von
  Programmierern weiterentwickelt, nachdem er unter die GNU GPL gestellt
  wurde. Auch SSH2DOS, Watt-32 und die KA9Q Nachfolger EZ-NOS2 und JNOS2
  werden immer noch gepflegt und entwickelt.
  Kuerzlich wurde sogar eine neue TCP/IP DOS-Software geschrieben.

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